Das Projekt SicherWachsen feierte am 22. Jänner 2026 mit dem Fachtag „SCHUTZ BRAUCHT ZUGANG – Wege zum inklusiven Kinderschutz“ einen gebührenden Abschluss. Rund 100 Teilnehmer*innen nahmen an den Vorträgen und Workshops im SkyDome in Wien teil.
Was diesen Fachtag besonders prägte, waren die Hauptvortragenden, die selbst Menschen mit Behinderung waren und für sich selbst sprechen und ihre Geschichten erzählen konnten. Sie teilten ihre persönlichen Erfahrungen und Perspektiven und machten den Tag durch ihre eindrucksvolle und berührende Art lebendig. Die Geschichten der Vortragenden boten tiefgehende Einblicke in die Herausforderungen und Chancen von Inklusion und Schutz im Leben von Menschen mit Behinderung. Dies machte den gesamten Fachtag zu einem kraftvollen, nachdenklich stimmenden, aber mit positivem Nachklang belegten Erlebnis.
Der Tag begann mit einem Willkommensgruß durch Wiens Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling per Videobotschaft, Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der möwe und Mario Thaler, Geschäftsführer von LICHT INS DUNKEL. Sie machten die Wichtigkeit des Themas Inklusion und Kinderschutz deutlich und hoben hervor, wie essentiell es ist, die Perspektiven von Menschen mit Behinderung im Kinderschutz mit einzubeziehen.
Am Vormittag berichteten Menschen mit Behinderung sowie Personen aus der inklusiven Pädagogik über ihre individuellen Lebenswege und gingen dabei jeweils auf einen Aspekt der Kinderrechte ein.
Das Recht auf Bildung
Der erste Erfahrungsbericht des Tages wurde von Adriana und Martina Katseras gehalten. Die beiden berichteten aus der Sicht einer Familie von den Chancen und Herausforderungen im österreichischen Bildungssystem. Sie schilderten die Schwierigkeiten, aber auch die positiven Erfahrungen, die sie gemacht haben, als sie versuchten, die Tochter mit Behinderung in den regulären Bildungsweg zu integrieren. Ihre Geschichte zeigte auf, wie wichtig es ist, Barrieren abzubauen und ein Bildungssystem zu schaffen, das allen Kindern gerecht wird – unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen.
Inklusive Bildung – Chancen und Herausforderung
Im Gespräch zwischen Andrea Rieger und Josefine Kirchweger ging es um die Frage, ob der Wandel von einer exklusiven zu einer inklusiven Bildung tatsächlich gelingen kann. Beide sprachen über ihre Erfahrungen mit inklusiven Bildungsprozessen und beleuchteten die Herausforderungen, die noch überwunden werden müssen. Es wurde klar, dass Inklusion nicht nur eine Veränderung der Strukturen, sondern auch ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel ist. Dieser muss von allen Beteiligten – von Pädagog*innen über Lernende bis hin zu Eltern – mitgetragen werden.
Das Recht auf ein gewaltfreies Leben
Ein besonders bewegender Beitrag kam von Alexander Zeilinger, der über seine Erfahrungen mit Gewalt im Alltag und den Weg zu einem selbstbestimmten Leben sprach. Alexander berichtete offen von Grenzverletzungen und Übergriffen, die er als Mensch mit Behinderung erlebt hatte, und erläuterte, wie er den Weg zurück in ein Leben ohne Gewalt gefunden hatte. Seine eindrucksvolle Erzählung war ein Appell an alle, für die Rechte von Menschen mit Behinderung einzutreten und Gewaltschutzmaßnahmen zu stärken. Es ist wichtig dabei zu helfen, dass Menschen mit Behinderung erkennen können, dass nicht sie das Problem sind. Der Satz:“ Er hat halt nicht mehr gewusst, was er mit mir machen soll und mich halt geschlagen“ hat aufgerüttelt und betroffen gemacht.
Das Recht auf Spiel und Freizeit
Imanja Kintaert brachte den Teilnehmer*innen das Thema Freizeitgestaltung und persönliche Entfaltung näher. Sie bezeichnet sich selbst als Mittelmensch: nicht behindert genug, um teilzunehmen, aber auch zu behindert, um dabei sein zu dürfen. Sie schilderte ihre Erfahrungen in Bezug auf den Zugang zu Freizeitmöglichkeiten, ihre geliebte Musik und sprach über die Bedeutung von inklusiven Angeboten. Imanja kritisierte die wenigen Möglichkeiten, die es für Kinder mit Behinderungen gibt, um sich entfalten und ihr Recht auf Spiel und Freizeit genießen zu können.
Inklusiver Kinderschutz zwischen Wunsch und Wirklichkeit
In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Adriana und Martina Katseras, Alexander Zeilinger, Josefine Kirchweger und Imanja Kintaert unter der Moderation von Andrea Rieger über die Realität des inklusiven Kinderschutzes. Es wurde erörtert, welche Maßnahmen bereits erfolgreich umgesetzt wurden, wo noch Handlungsbedarf besteht und wie der Weg zu einem inklusiven, gewaltfreien und selbstbestimmten Leben für Kinder mit Behinderungen weiter geebnet werden kann.
Workshops zu Schwerpunkten im inklusiven Kinderschutz
Am Nachmittag wurden verschiedene Workshops angeboten, die vertiefende Einblicke in spezifische Themen des inklusiven Kinderschutzes gaben. Diese Workshops förderten die aktive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Aspekten des Themas und boten den Teilnehmer*innen wertvolle Impulse und Handlungsansätze.
Zur Auswahl standen folgende Workshops:
- Kinderrechte: Was bedeutet das für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in ihrem Alltag?
- Ableismus – Du bist einfach nur „behindert“
- Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen mit Behinderung
- Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung begleiten
- Rechtssicherheit im Opferschutz
Ein besonderes Highlight waren die Performances des Solo-Künstlers Niklas Kern sowie des Duos Maria Naber und Raphael Kadrnoska vom Tanzkollektiv Ich bin O.K. für Menschen mit und ohne Behinderung, die allen Teilnehmer*innen ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Beim SicherWachsen Fachtag wurde einmal mehr deutlich, dass inklusiver Kinderschutz nicht nur ein rechtlicher Anspruch, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Die Veränderung von Strukturen und Haltungen ist notwendig für eine gleichberechtigte und sichere Zukunft für alle Menschen.




















