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Gewalt in der Erziehung ist nie okay!

„Gewaltfrei zu erziehen bedeutet nicht, Kinder alles machen zu lassen oder sich selbst zu überlassen. Es bedeutet, sie klar, konsequent und respektvoll zu begleiten – ohne Schläge, Demütigungen oder Angst.“

Hedwig Wölfl, Geschäftsführung und fachliche Leitung die möwe

Wir im Kinderschutz erfahren in unserer täglichen Arbeit, wie herausfordernd es auch heute noch für Eltern und Erziehungsberechtige ist, ohne Ohrfeigen, Klapse oder Demütigungen zu erziehen. Vor allem, wenn man das in der eigenen Kindheit selbst erlebt hat und in schwierigen Situationen vom eigenen Kind getriggert wird. Umso mehr müssen wir alternative Formen in der Erziehung lernen und üben. Gewaltfreie Erziehung ist nicht „Nicht-Erziehung“. Kinder brauchen Orientierung, Regeln und Konsequenzen – aber ohne Angst und Gewalt. Wer gewaltfrei erzieht, verzichtet nicht auf Grenzen, sondern auf Gewalt. Kinder brauchen Führung, nicht Furcht. Konsequenz und Gewaltfreiheit sind kein Widerspruch. Kinder können lernen, Regeln einzuhalten, ohne Angst haben zu müssen.

Das Gewaltverbot als Errungenschaft

Das Gewaltverbot in Bildungseinrichtungen und in der Erziehung zählt zu den wichtigsten kinderrechtlichen und gesellschaftspolitischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte. Es macht unmissverständlich klar: Kinder haben ein Recht auf Schutz, Würde und eine gewaltfreie Entwicklung. Ein Aufwachsen ohne Gewalt ist nicht nur für das Wohlbefinden und die gesunde Entwicklung jedes einzelnen Kindes wichtig, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt. Kinder, die respektvoll begleitet und ohne Gewalt erzogen werden, können Vertrauen entwickeln, Konflikte konstruktiv lösen und stabile soziale Beziehungen aufbauen.

Körperliche Gewalt ist auch psychische Gewalt

Körperliche Gewalt durch Eltern oder andere enge Bezugspersonen ist niemals nur körperliche Gewalt. Für Kinder bedeutet sie immer auch eine psychische Verletzung. Wer geschlagen, geohrfeigt, angeschrien oder beschimpft wird, erlebt Angst, Demütigung und den Verlust von Sicherheit – besonders bitter und schmerzhaft, wenn dies von den Menschen ausgeht, die eigentlich Liebe, Schutz und Geborgenheit geben sollten. Erziehung durch Angst mag kurzfristig Gehorsam erzeugen, sie ist jedoch weder wirksam noch gesund. Kinder lernen dadurch nicht Respekt, sondern Unterordnung, Verunsicherung und Furcht.

Folgen von Gewalt in der Erziehung

Die Folgen von Erziehungsgewalt sind wissenschaftlich gut belegt. Sie können von Ängsten, Depressionen und einem verminderten Selbstwertgefühl über Verhaltensauffälligkeiten und Beziehungsprobleme bis hin zu langfristigen gesundheitlichen Belastungen reichen. Gewalt in der Kindheit erhöht zudem das Risiko, dass Konflikte später selbst mit Gewalt ausgetragen werden. Gewaltfreie Erziehung ist daher nicht nur Kinderschutz, sondern auch Gewaltprävention.
Gleichzeitig wissen wir, dass Gewalt in der Erziehung häufig nicht aus Böswilligkeit entsteht, sondern aus Überforderung, Stress oder Hilflosigkeit. Gerade deshalb braucht es Unterstützung für Eltern, leicht zugängliche Beratungsangebote und eine gesellschaftliche Kultur, die auf Verständnis, Wissen und Begleitung statt auf Schuldzuweisungen setzt.

Verharmlosung der „g’sunden Watschn“

Besonders kritisch ist die Verharmlosung von Gewalt durch Aussagen wie „Mir hat eine Ohrfeige auch nicht geschadet“. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dieser Behauptung erfordert eine andere Frage: Was hätte aus Ihnen werden können, wenn Sie ohne Ohrfeigen, Klapse, Anschreien oder Beschimpfungen aufgewachsen wären? Niemand kann wissen, welche Chancen, welches Selbstvertrauen oder welche innere Sicherheit ihm durch Gewalt genommen wurden. Dass Menschen trotz erlebter Gewalt in der Kindheit ein gutes Leben führen können, ist kein Beweis für deren Unschädlichkeit oder gar Nutzen, sondern allenfalls für die Resilienz und Stärke der Person, die es erleben musste.

Verantwortung von Erwachsenen

Eltern und Pädagog*innen tragen Verantwortung als Vorbilder für ihre Kinder. Dasselbe gilt für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger. Wer Gewalt in der Erziehung relativiert oder gar rechtfertigt, sendet das falsche Signal. Eine moderne Gesellschaft darf Züchtigung weder romantisieren noch verharmlosen. Sie muss klar vermitteln: Kinder haben ein Recht auf eine Erziehung ohne Gewalt – und Erwachsene haben die Verantwortung, dieses Recht zu schützen.

Zum Weiterlesen

Bei Fragen zum Thema Gewaltfreie Erziehung oder bei Sorgen um ein Kind oder Jugendlichen kontaktieren Sie eines unserer Kinderschutzzentren, unsere Telefonberatung oder nützen Sie unsere Onlineberatung.

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